Ein anderer Tag, der gleiche Treffpunkt und dieselbe Uhrzeit. Vom Marienplatz war es nur ein kurzer Fußmarsch weiter zu den Löwen vor der Residenz, wo wir uns um 11 Uhr mit Conny Herbst, verabredet hatten. Frau Herbst, eine Historikerin, bietet Führungen rund um die Residenz an, die wir schon öfter besucht hatten. Leider war es ein sehr regnerischer Tag. Anfangs war die  Münchner Residenz, eine Wasserburg Herzog Wilhelms des IV. Dieser zog als erster Wittelsbacher vom Alten Hof in die Neuveste, den Ursprungsbau der Münchner Residenz. Er legte auch den ersten, südlichen, Garten an. Ihm folgte sein Sohn Herzog Albrecht der V, der von 1550 - 1579 regierte. Er war verantwortlich für den Bau des Antiquariums und die Anlage des Grottengartens. Ihm folgte Herzog Wilhelm V, der Bayern von 1579 - 1597 regierte. Dieser dankte dann von Geldsorgen geplagt zu Gunsten seines Sohnes Herzog Maximilian ab und zog sich mit seiner Frau Renata nach Schleissheim zurück. Dieser Herzog und Kurfürst Maximilian I errichtete den größten Teil der Münchner Residenz und zwei weitere Gärten. Den Frauen- oder Pudergarten und den Herren- oder Hofgarten. Er ließ die Residenz groß ausbauen für seine Familie, die Wittelsbacher, aber auch um seinen Verwandten den Kaiser von Österreich zu beeindrucken. Denn dieser war auf der Flucht aus Wien und mußte in München um Asyl bitten. Kurfürst Maximilian I war während des dreißigjährigen Krieges Führer der katholischen Liga und brachte auch die bayerischen Staatsfinanzen durch seine Sparsamkeit wieder in Ordnung.

Er regierte von 1597 - 1651. Nach diesen bayerischen Herrschern folgte eine ganze Reihe weiterer Regenten, die die Residenz und die Gärten nach ihrem Gusto und den Moden der Zeit umgestalteten. Unter Kurfürst Karl Theodor wurde der Herrengarten für die Allgemeinheit geöffnet. Um die Bevölkerung an gesittetes Verhalten zu erinnern, ließ er eine Statue, im Volksmund der Harmlos genannt, errichten und aufstellen. König Ludwig I errichtete die Arkaden als Abschluß des Gartens zur Ludwigsstraße hin. Sie sollen einen arabischen Basar darstellen und sind mit Bildern von Großtaten der Wittelsbacher geschmückt. Seit 1775 gibt es im Inneren des Hof- oder Herrengartens auch ein Cafe, den Tambosi, der damals als kleiner Kiosk angefangen hatte und im Laufe der Zeit immer größer geworden ist. Dieser König Ludwig I errichtete auch auf der rückwärtigen Seite der Residenz den kleinen Kabinettgarten. Er wurde so benannt, weil dort die Mitglieder seines Kabinetts spazierengehen konnten und auch öfters gegessen haben. Wenn man die Stufen zum Brunnenhäuschen hinabgeht, kann man noch alte Säulen erkennen, die unter der Ägide von Albrecht V errichtet wurden. Es war eine sehr informative und lehrreiche Führung durch die fünf Gärten der Residenz.